Elektor International Media, Innovation, Roto Smeets Publishing, Senefelder Misset seminar
„Ich als Herausgeber investiere am liebsten nur noch in Dinge, die nicht durch ein Kabel passen, denn alles, was durch ein Kabel passt, wird derzeit von Google getötet.“ So Don Akkermans, Geschäftsführer von Elektor International Media, am 19. März auf dem Senefelder Misset-Seminar. Der Umsatzanteil der verkauften elektronischen Business-to-Business-Produkte in einem redaktionell unterstützten Webshop, betrug bei Elektor International Media im ersten „E-Commerce-Jahr“ sofort 13 % bzw. mehr als eine Million Euro.

„Next Steps in Publishing“, so lautete das Thema, und dazu passte die Geschichte von Elektor International Media (EIM) sehr gut. Das Unternehmen bietet eine Plattform für Elektronik für Ingenieure, Professoren, Studenten und interessierte Laien. Der internationale Herausgeber operiert von einem Schloss im limburgischen Limbricht aus.

Elektor International Media
Don Akkermans übernahm die Einführung zu einem Vortrag über die Innovationsstrategie bei EIM. EIM verändert sich zurzeit schnell vom traditionellen Verlag in ein Handelsunternehmen, bei dem redaktioneller Content nur mehr eine unterstützende Rolle spielt. Content, der über Online- und Offline-Medien (das Magazin) verbreitet wird. In diesem Zusammenhang appellierte Akkermans, der vor kontroversen Diskussionen nie zurückscheut, an die Verleger, mit allen Verlags-/Branchenorganisationen zu brechen und sich stattdessen E-Commerce-Plattformen anzuschließen, die in dem Bereich aktiv sind, in dem sie veröffentlichen. Der Hauptteil der Präsentation über EIM wurde danach von Chief Digital Officer Erik Jansen gehalten, der vor einigen Jahren angeworben wurde, um EIM in seiner digitalen Entwicklung zu unterstützen.

2012 hatte das Unternehmen, wie so viele traditionelle Verlage, mit sinkenden Einkünften aus Abonnements und Inseraten und mit immer stärker werdender Konkurrenz der Online-Kanäle zu kämpfen. Jansen: „Ein Scan zeigte auch, dass wir mit veralteten Systemen arbeiteten, die uns in unseren veralteten Mustern gefangen hielten. Uns fehlte es außerdem an firmeneigenem Online- und IT-Know-how. Nach kurzen Powersessions mit entsprechenden Spezialisten haben wir damals begonnen, einen Webshop aufzubauen, das finanzielle Back Office zu erneuern und ein neues CMS anzuschaffen.“

Manchmal kauft man Innovation besser ein
Dass es manchmal besser ist, Innovation (auch) einzukaufen, hat die Übernahme von XINGO gezeigt: „XINGO war ein sehr guter Partner für Elektor International Media, unsere Stärken und Schwächen ergänzten sich perfekt. XINGO war der 100 %ige Online-Herausgeber der Website hifi.nl, mit großer Reichweite und effizienten Online-Systemen. Nach Übernahme von XINGO stellte sich heraus, dass die Wertwahrnehmung des Kunden deutlich steigt, wenn eine zuvor reine Online-Marke auch auf Papier herauskommt.“
Don Akkermans fügte hinzu, dass Verlage Startups ins Unternehmen holen sollten, anstatt sie loszukoppeln, wie andere behaupten. „Wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre bei uns alles implodiert.“ Erik Jansen hierzu: „Wenn man kauft, weiß man, dass man bewährte Technologie bekommt, vermeidet die mit Innovation verbundenen Fallstricke und kann sofort loslegen.“

E-Commerce: Wer A sagt, muss auch B sagen
Seit Elektor International Media verschiedenste Artikel in den Bereichen verkauft, über die auch professionell geschrieben wird, und die neuen Softwaresysteme up and running sind, geht es aufwärts, so Erik Jansen:
„Nach gut einem Jahr E-Commerce geht der Storeumsatz steil nach oben; wir erzielen schon 13 % des Gesamtumsatzes, der bei 8 bis 9 Millionen Euro liegt, durch den Webshop. Wir hoffen und erwarten, dass dieser Anteil 2015 auf 20 % ansteigt. Außerdem kannten 26 % unserer heutigen Kunden uns vor einem Jahr noch nicht einmal.“
Das schnelle Wachstum des E-Commerce bringt auch die unvermeidlichen Probleme mit sich: „Schon nach einem Jahr stoßen wir beim Management der Logistik an unsere Grenzen. Wer A sagt, muss auch B sagen ... Wir stehen jetzt vor der Frage, ob wir die logistische Abwicklung der Storeeinkäufe nicht besser auslagern sollten.“

Erkenntnisse
Erik Jansen wollte aber nicht nur die Botschaft übermitteln, dass es schwer ist, einen erfolgreichen Store zu managen, sondern andere an den Erkenntnissen teilhaben lassen, die er gewonnen hat: „Machen Sie bei Innovationen nicht zu viele Baustellen gleichzeitig auf. Beziehen Sie die alte Garde in Ihrem Unternehmen mit ein, anstatt all das Know-how der Mitarbeiter aus dem Unternehmen abzuziehen, weil die Schwierigkeiten haben könnten, bei den Veränderungen mitzuziehen. Seien Sie darauf vorbereitet, dass da Kulturen aufeinander prallen könnten; bei uns ist genau das passiert.“